Bernd Raffelhüschen
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen (geb. 1957, verheiratet, drei Kinder) ist emeritierter Professor für Finanzwissenschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Prof. II an der Universität Bergen, Norwegen (1994–2019). Er studierte in Kiel, Berlin und Aarhus (Dänemark) Volkswirtschaftslehre und promovierte bzw. habilitierte sich in diesem Fach an der Universität Kiel. Zahlreiche Auslandsaufenthalte führten ihn u. a. in die USA, aber auch immer wieder in die skandinavischen Länder. Neben seiner Mitwirkung an internationalen Forschungsprojekten beteiligt er sich – zum Beispiel als Mitglied der Rürup-Kommission, der Kommission Steuergesetzbuch oder als Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft – an Fragen der praktischen Sozialpolitik.
Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Sozialpolitik – insbesondere Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung –, Migration, finanzwissenschaftliche Steuerlehre, Zufriedenheitsforschung und Immobilienökonomie.
Er publizierte u. a. im American Economic Review, European Economic Review, Public Choice, FinanzArchiv und Nationaløkonomisk Tidsskrift.
Lebenslauf
Geboren am 7. Oktober
Niebüll, Nordfriesland
Studium der Volkswirtschaftslehre
Vordiplom an der Universität Kiel, Diplom-Volkswirt an der Freien Universität Berlin (1983); Aufbaustudium der Staatswissenschaften an der Universität Aarhus, Dänemark (1984–1985, DAAD-Stipendiat)
Promotion zum Dr. sc. pol. (summa cum laude)
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel · Finanzwissenschaft, Geldtheorie und Sozialpolitik
Habilitation (venia legendi für Volkswirtschaftslehre)
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Privatdozent und Lehrstuhlvertretung
Privatdozent in Kiel sowie Lehrstuhlvertretung für Sozialpolitik an der TU Dresden
Professor II für Volkswirtschaftslehre
Universität Bergen, Norwegen
Professur (C4) für Finanzwissenschaft
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg · zugleich Gründer und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge (FZG)
Wissenschaftlicher Leiter des Glücksatlas
Jährliche Studie zur Lebenszufriedenheit in Deutschland
Ausscheiden aus der Universität Freiburg
Zum 30. September 2025
Kommissionen, Ämter & Mitgliedschaften
- 2002–2003Mitglied der Rürup-Kommission (Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme)
- seit 2005Vorstandsmitglied der Stiftung Marktwirtschaft
- seit 2018Studienleiter der Deutschen Immobilienakademie (DIA) an der Universität Freiburg
- seit 2016Studienleiter der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA)
- seit 1996Mitglied im Ausschuss für Bevölkerungsökonomie des Vereins für Socialpolitik
- 1996–2002Vorstandsmitglied der European Society for Population Economics (ESPE)
Rufe an Universitäten
- 1994Professor II, Universität Bergen (Norwegen) · angenommen
- 1994Professur (C3) für Sozialpolitik, TU Dresden · abgelehnt
- 1995Professur (C4) für Finanzwissenschaft, Universität Freiburg · angenommen
- 1997Professur für Bevölkerungsökonomie, Universität Bergen (Norwegen) · abgelehnt
Forschungsaufenthalte im Ausland (Auswahl)
- 1990–1999Forschungsaufenthalte u. a. an der Boston University, am National Bureau of Economic Research (Cambridge), am Institute for International Economic Studies (Stockholm), an der Federal Reserve Bank of Cleveland und der Florida State University
Auszeichnungen
- 2004Schader-Preis
- 2004Philip-Morris-Forschungspreis
- 2005Steuerzahlerpreis des Bundes der Steuerzahler Schleswig-Holstein
- 2008Karl-Bräuer-Preis des Bundes der Steuerzahler
Vortragsthemen
01 Von Schulden, die man sieht und solchen, die man nicht sieht: Eine Generationenbilanz +
Im Vortrag geht der Referent auf die Konsequenzen des demographischen Wandels für die Nachhaltigkeit der sozialen Sicherung mit Hilfe der Generationenbilanzierung ein. Die Versprechen der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Altersvorsorge für Politiker und Beamte sind schlichtweg unterfinanziert. Würde der Staat wie ein ehrbarer Kaufmann bilanzieren, so müsste er fehlende Rückstellungen in einer Größenordnung von weit über 12 Billionen Euro ausweisen. Gemeinsam mit den verbrieften Schulden ergibt sich eine negative Erbschaft für zukünftige Generationen in Höhe von fast fünf Inlandsprodukten (20 Billionen Euro). Die Schulden, die wir sehen, sind schon hoch – aber viel höher sind die Schulden, die man nicht sieht.
02 Zur Nachhaltigkeit der sozialen Sicherung: Was war, was ist, was kommt? +
Die größte Herausforderung für die umlagefinanzierten Sozialsysteme liegt in der demographischen Entwicklung in Deutschland. Im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte werden immer mehr alte, kranke und pflegebedürftige Menschen von immer weniger jungen Beitrags- und Steuerzahlern finanziert. Welche Leistungsniveaus können wir uns in Zukunft noch leisten, und welche Beitrags- und Steuerlast wird von den zukünftigen Generationen noch zu schultern sein? Die Akzeptanz der Generationenverträge steht auf dem Spiel, wenn nicht (bald) generationengerechte Reformen greifen.
03 Zur Nachhaltigkeit der Altersvorsorge: Wohin geht der Weg? +
Die gesetzliche Rentenversicherung wie auch die ersetzende und ergänzende private Altersvorsorge stehen vor riesigen demographischen Herausforderungen. Für die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es nur vier Stellschrauben: das gesetzliche Rentenzugangsalter, die steuerfinanzierten Zuschüsse des Bundes sowie das Beitrags- und Rentenniveau. Welche Weichenstellungen sind getroffen worden, und wie sollte eine generationengerechte Lösung aussehen? Auch der Weg hin zu mehr kapitalgedeckter statt umlagefinanzierter Altersvorsorge ist unumgänglich – aber wie genau sieht dieser Weg aus?
04 Zur Tragfähigkeit der gesetzlichen Kranken- und Pflegevorsorge: Quo vadis? +
Wenn zukünftig doppelt bis dreimal so viele Kranken- bzw. Pflegefälle von – wenn es gut läuft – vier Fünfteln der gegenwärtigen Beitragszahler finanziert werden, steht eines außer Frage: Wir können nicht weiter alles medizinisch Mögliche für alle Menschen auf alle Zeit finanzieren. Die notwendigen Reformen müssen auf mehr Eigenvorsorge und höheren Eigenbeteiligungen fußen. Die Alternative liegt in der Kündigung der Generationenverträge – keine gute Aussicht für die zukünftigen Leistungsempfänger.
05 Glücksatlas Deutschland: Von halb vollen und halb leeren Gläsern +
Die Glücksforschung ist eigentlich eine Zufriedenheitsforschung – Glück ist zufällig, Zufriedenheit hat Gründe. Warum aber sind manche Menschen in manchen Regionen zufrieden und andere nicht? Liegt es am Geld – oder macht Geld gar nicht glücklich? Die Vermessung der Zufriedenheit und die vier G's des Glücks stehen im Zentrum dieses kurzweiligen statistischen Vortrags, der sich auch gut als Dinner-Speech eignet.
06 Die fiskalische Dividende der Migration: Von scharfen und stumpfen Schwertern +
Um es gleich vorwegzunehmen: Ökonomisch ist es einfach – es gibt gute wie auch schlechte Migration. Gute Migration ist jung, fertil und qualifiziert; schlechte ist das genaue Gegenteil. Gute Migration ist eine, die man steuert: Ungesteuerte Migration ist immer mit hohen Risiken verbunden. Soweit die Antwort von Einwanderungsländern wie z. B. Australien, Kanada oder den USA. In Deutschland haben wir da noch einige Hausaufgaben zu erledigen. Zusätzlich gibt es aber ein massives Auswanderungsproblem von hoch Qualifizierten. Jedes Jahr wandert netto fast ein Fünftel eines Jahrgangs aus Deutschland ab – Menschen, die teuer ausgebildet wurden und deren fiskalische Rendite in jedem Fall positiv gewesen wäre.
07 Zur Reform des Leviathan: Ausgabenstrukturreformen statt Einnahmemaximierung +
Zunächst die gute Nachricht: Das Deutschland von heute ist historisch gesehen das reichste, zufriedenste und friedfertigste Deutschland, das jemals existierte – gedankt sei der sozialen Marktwirtschaft. Derzeit befinden wir uns allerdings im Umbau hin zu einer marktorientierten Sozialwirtschaft. Der Staat ist zu einem alles verschlingenden Leviathan geworden – mit einer Staatsquote von über 50 Prozent der Wertschöpfung, einer Sozialausgabenquote von fast einem Drittel bei verschwindend geringen Investitionen und völlig ausufernden Subventionen. Diesen Weg können wir so nicht weitergehen: Deutschland kann nicht davon leben, dass sich die Menschen gegenseitig die Zähne putzen. Wir brauchen wieder mehr Wertschöpfung, Innovation und Leistung – Leistung darf nicht verpönt sein, sondern muss sich wieder lohnen. Dazu notwendig sind Strukturreformen auf der Ausgabenseite und nicht ein weiteres Drehen an der Steuer- oder Beitragsschraube.
Publikationen
Nachfolgend eine belegte Auswahl. Die vollständige Publikationsliste lässt sich bequem aus dem Google-Scholar-Profil übernehmen — Link am Ende des Abschnitts.
Bücher & regelmäßige Studienreihen
- seit 2011 Glücksatlas (jährlich) Studie zur Lebenszufriedenheit in Deutschland · Penguin Verlag
- seit 2006 Ehrbarer Staat? Die Generationenbilanz Regelmäßige Generationenbilanz für Deutschland · Stiftung Marktwirtschaft
Ausgewählte Fachaufsätze
- 2020 Von der Grundrente zum Lebenserwartungsfaktor mit S. Seuffert · Wirtschaftsdienst 100(10), 774–781
- 2019 Zur Reform der Pflegeversicherung: Eine Generationenbilanz mit L. Bahnsen · ifo Schnelldienst 72(1), 29–35
- 2009 Public Debt and Demography — An International Comparison Using Generational Accounting mit C. Hagist, S. Moog & J. Vatter · CESifo DICE Report 4, 29–36
- 2009 How Regional Differences in Taxes and Public Goods Distort Life Cycle Location Choices mit L. Kotlikoff & C. Hagist · Hacienda Pública Española 189(2), 47–80
- 2002 Generational Accounting — Quo Vadis? Nordic Journal of Political Economy 28(1), 75–89
- 2000 Can Immigration Alleviate the Demographic Burden? mit H. Bonin & J. Walliser · FinanzArchiv 57(1), 1–21
- 1999 Generational Accounting in Europe American Economic Review, Papers & Proceedings 89(2), 167–170
- 1997 Generational Accounting and Intergenerational Welfare mit A. E. Risa · Public Choice 93, 149–163
- 1992 Labor Migration in Europe: Experiences from Germany after Unification European Economic Review 36, 1453–1471
Medien
TV & Hörfunk (Auswahl)
Gast in u. a. Tagesschau und Tagesthemen (ARD), heute und heute-journal (ZDF), SRF Tagesschau, ntv, WELT TV und RTL Aktuell sowie in den Talkformaten Markus Lanz, Sarah Tacke, maischberger, Sabine Christiansen, Anne Will, Maybrit Illner, Hart aber fair (Frank Plasberg) und bei Michel Friedman.
Bei Sabine Christiansen war er u. a. gemeinsam mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Gast. Hinzu kommen zahlreiche Hörfunkbeiträge zu Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie zu Migration und Glücksforschung.
Ausgewählte Auftritte
- ZDF · Sarah Tacke Vermögen ohne Leistung – wie ungerecht ist Erben? Diskussion zur Erbschaftssteuer – Raffelhüschen schlägt einen Reichensteuer-Zuschlag statt der Erbschaftssteuer vor 13.08.2026
- ZDF · Markus Lanz „Die Rente mit 70 ist längst überfällig“ Zur Anhebung des Renteneintrittsalters und höheren Abschlägen bei vorzeitigem Renteneintritt 02.06.2026
- IWP · Universität Luzern Hans-Werner Sinn & Bernd Raffelhüschen über grüne Klimapolitik & ökonomische Vernunft Gespräch der IWP-Beiräte über die Staatsfinanzen in Deutschland und der Schweiz 15.01.2026
- The Pioneer · Gabor Steingart „Ich bin alt, aber bei den Jungen“ Im Gespräch mit Gabor Steingart über eine generationengerechte Rentenreform 21.11.2025
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ARD · maischberger Sozialstaat unter Druck: Kosten uns die Flüchtlinge zu viel? Gast in der Talkrunde 17.02.2016